DEMENZ UND DEPRESSION

DEMENZ & DEPRESSION

So widersprüchlich es sich anhört: In einer Gesellschaft von Sicherheit und Wohlstand, einer Fülle an Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und höchsten medizinischen Standards, gehört Depression zu den häufigsten Erkrankungen. Die Gründe für diese Entwicklung mögen vielfältig sein, erschreckend ist meiner Ansicht nach aber, wie nachhaltig destruktiv Phasen von Depression  und Angst auf unser Gehirn wirken:

Eine in diesem Monat veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift Psychological Medicine zeigte anhand der Daten von über 70'000 Erkrankten einen klaren Zusammenhang zwischen Depression oder Angsterkrankung und dem Risiko einer Demenz im späteren Leben. Obwohl seit vielen Jahren verschiedene Publikationen immer wieder auf die erhöhte Rate kognitiver Beeinträchtigung bei Patienten mit depressiven oder Angsterkrankungen hingewiesen hatten, fehlte bislang eine systematische Untersuchung zu diesen Berichten. 

Das "kognitive Altern", insbesondere Gedächtnisverlust, Entscheidungsfähigkeit, Informationsverarbeitung, tritt bei depressiven Patienten signifikant früher ein und verläuft rascher als bei Gesunden. 

Das Hauptanliegen der Autoren, Dr. Darya Gaysina und Amber John der EDGE (Environment, Development, Genetics and Epigenetics in Psychology and Psychiatry) Labors an der Universität Sussex liegt einer erhöhten Beachtung depressiver Krankheitsbilder. Ihre Aussage, die psychische Gesundheit sei der beste Schutz für die Gehirngesundheit im späteren Lebensalter, steht im Mittelpunkt des Berichtes. Gerade in einer Gesellschaft, die rasch altert, muss der psychischen Gesundheit erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden

"Wir müssen das mentale Wohlbefinden von Menschen  unterstützen, um die Hirnfunktionen im späteren Leben zu schützen", so Dr Darya Gaysina. "Depressive Phasen erleben 1 von 5 Personen im Verlauf ihres Lebens. Gerade diese Menschen sollten präventive Massnahmen, darunter Sport, Achtsamkeitstraining und psychologische Therapien wahrnehmen, um einer Demenz vorzubeugen".

Mir gefällt der Begriff "mental wellbeing". Versuchen wir  doch, diesen Zustand für uns selbst und unsere Nächsten zu erreichen und zu halten - für ein schönes Leben und ein gutes Altwerden. 

 

  • A. John, U. Patel, J. Rusted, M. Richards, D. Gaysina. Affective problems and decline in cognitive state in older adults: a systematic review and meta-analysisPsychological Medicine, 2018; 1 DOI: 10.1017/S0033291718001137
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