Demenz

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Demenz
 

Es ist ein Thema, das wir gerne verdrängen – bis jemand aus der Familie oder dem Bekanntenkreis davon betroffen ist: Demenz, der schleichende Verlust des Erinnerungsvermögens, der Sprache, des Lernens und Planens, der sozialen Interaktion und letztendlich körperlichen Fähigkeiten.

Demenz – eine zunehmende Bedrohung

Während 2015 weltweit 47 Millionen an Demenz erkrankt waren, rechnet man 2050 mit über 130 Millionen Erkrankten – eine alarmierende Zahl! In der Schweiz leben derzeit ca. 140'000 Menschen mit Demenz, die Alzheimer-Krankheit macht davon ca. 60% aus und ist die am besten untersuchte Demenzerkrankung.

Was passiert bei der Alzheimer-Demenz?
Zwei grundlegende Veränderungen lassen sich bei der Demenz im Gehirn beobachten: Zum einen kommunizieren die Nervenzellen (oder Neurone) nicht mehr miteinander, zum anderen kommt es schlicht zum Absterben von Nervenzellen, es entstehen richtige Löcher im Gehirn. Beide Mechanismen scheinen bei der Alzheimer-​Erkrankung zu wirsynapse2ken. 
In einem ersten Schritt kommt es bei der Alzheimer-​Erkrankung zu Störungen der Kommunikation zwischen Nervenzellen. Die Kommunikation von Neuron zu Neuron geschieht über kleine Ausstülpungen an der Empfängerzelle, den dendritischen Dornen. Bei der Alzheimer-​Erkrankung verringert sich  in bestimmten Gehirnbereichen die Anzahl dieser Ausstülpungen – im frühen Verlauf der Krankheit und vor allem in den Bereichen, die mit der Erinnerung an Fakten und Ereignisse in Verbindung gebracht werden. Dieser erste Schritt in der Entwicklung der Erkrankung kann schon sehr früh auftreten.
Eiweissklumpen in den Nervenzellen,  sogenannte „Alzheimer-Fibrillen“,  führen zum Untergang der Nervenzelle, 
Man nimmt heute an, dass für diesen Prozess  das Amyloid-Beta (auch senile Plaque), kleine Eiweissablagerungen verantwortlich sind, sich an die Rezeptoren der Empfängerzelle binden und die Übertragung stören. Amyloid-Beta scheint darüber hinaus die eigentlich löslichen Tau-​Proteine in den Nervenzellen in Eiweissklumpen zu verwandeln, die als „Alzheimer-Fibrillen“ im MRI sichtbar sind und die Diagnose dieser Demenz zulassen. Diese Fibrillen führen zum Untergang der Nervenzelle, im Verlauf geht hier massiv Nervengewebe verloren.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Alzheimer Demenz

Die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle liesse sich erheblich reduzieren, wenn die Risikofaktoren konsequent und von Kindheit an bekämpft würden. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Experten in einem Artikel im Fachmagazin «The Lancet«. In der Jugend sei mangelnde Bildung einer der wesentlichen Risikofaktoren. Im mittleren und höheren Lebensalter wirkten sich Übergewicht, hoher Blutdruck, Hörverlust oder soziale Isolation nachteilig aus.

 Die 9 grössten Risikofaktoren im Überblick

  1. mangelnde Bildung während der Jugend
  2. Übergewicht
  3. hoher Blutdruck
  4. Hörverlust
  5. soziale Isolation
  6. Depression
  7. Diabetes
  8. Rauchen
  9. zu wenig Bewegung

 

Wie beuge ich Alzheimer vor?

Hier finden Sie die wichtigsten Tipps zur Prävention von Demenz, es sind einfachste Massnahmen, die jeder in seinen Alltag einbauen kann.

  1. Sport und Bewegung

Eine brandneue Studie zeigt, dass regelmässige Bewegung das Alzheimer-Risiko auf die Hälfte reduziert – auf die Hälfte!. Ab 150 Minuten körperliche Bewegung pro Woche profitiert man von diesem Effekt und es muss keinesfalls Leistungssport sein: Bereits Gartenarbeit zählt, Hauptsache regelmässig und oft! Offenbar produzieren unter Bewegung Hirnzellen eine grössere Menge des Abwehrstoffes BDNF (Brain-derived neutrotropic factor), der die Zellen vital erhält.  

  1.  Licht und Sonne.
  2. In sonnenreichen Ländern gibt es weniger Alzheimer! Hier spielt vor langwelliges Infrarotlicht eine wichtige Rolle, das zelleigene Cytochrome (Licht-absorbierende Eiweisse) in jeder Körperzelle anregt. Sie sind in der Lage, die Mitochondrien bei der Produktion von Energie unterstützen und produzieren ausserdem NOX (Stickoxide), die unsere Blutgefässe entspannen und den Blutdruck normalisieren.

Die optimale Wellenlänge zur Anregung des Cytochroms sind die Bereiche von 630 bis 660 sowie 810 bis 830 Nanometer. In einem Versuch bei dem Alzheimer Patienten mit genau diesen Wellenlängen behandelt wurden, konnte gezeigt werden, dass täglich 20 Minuten gezielte Licht-Therapie  siebenmall besser wirken als das beste bisher verfügbare Alzheimer-Medikament.  

  1. Zucker meiden

Alzheimer wird nicht selten als „Diabetes des Gehirns“ bezeichnet, denn auch hier kommt es im Verlauf der Zeit zu einer Insulin-Resistenz der Zellen: Obwohl die Bauchspeicheldrüse auf den Reiz „ viel Zucker im Blut“ Insulin ausschüttet, reagieren die Zellen nicht mehr auf das Hormon und bauen den überschüssigen Zucker nicht mehr ab. Das behindert nicht nur ihre lebensnotwendige Energieversorgung, die Extra-Zuckermoleküle hängen sich an andere Körpereiweisse und machen diese entweder unwirksam oder sogar schädlich.

  1. Eine Ketogene Diät starten

Noch wirksamer als der konsequente Verzicht auf Süsse ist der Start einer  ketogenen Diät. Diese Ernährungsvariante wird seit 80 Jahren erfolgreich in der Behandlung der Epilepsie eingesetzt und beruht auf einer Umschaltung des Zellstoffwechsels von der Energiegewinnung aus Zucker (vor allem aus Fructose) auf Energiegewinnung aus Fetten. Da unsere Gehirnzellen Zuckerliebhaber sind und praktisch ausschliesslich auf die Verbrennung von Fructose bauen, verursacht die radikale Veränderung der Diätgewohnheiten hier besonders viel Effekt. Bei der ketogenen Diät wird praktisch vollständig auf Kohlenhydrate verzichtet, kärglich 20 bis 50 Gramm dürfen es täglich nur sein (gottseidank: Gemüse-Kohlenhydrate zählen nicht!). Dafür darf man beim Fett umso grosszügiger sein, sollte jedoch auch ausreichend Eiweiss zu sich nehmen. Die Leber stellt sich nach ca. zwei Wochen notgedrungen auf die neuen Bedingungen ein und beginnt, Energie direkt aus Fett zu gewinnen. Die Abbauprodukte aus dem Fett,, die sogenannten Ketonkörper können von Gehirnzellen sehr effizient in Energie umgewandelt werden, es entstehen viel weniger Freie Radikale und Entzündungen, ein wahrer Jungbrunnen fürs Gehirn.

  1. Die richtige Ernährung, die richtigen Zusatzstoffe

Unser Gehirn besteht zu 40 Prozent aus Omega-3-Fettsäuren, die das schützende BDNF aktivieren und laufend erneuert werden müssen, hier gezielt Nachschub mit hochwertigen Ölen (z.B Leinöl) zu liefern, ist eine einfache und sehr sinnvolle Massnahme. Kokosnuss-Öl kann besonders leicht in Ketone abgebaut werden und lässt sich ebenfalls gut in die Ernährung integrieren.

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Berühmt wurde Kokosnuss-Öl durch die amerikanische Ärztin Mary Newport, die ihren Alzheimer-erkrankten Ehemann zwei Jahre erfolgreich damit behandelte.

 

Ein Esslöffel pro Tag ins Müesli oder eine andere Mahlzeit und schon helfen Sie Ihrem Gehirn auf die Sprünge.

Kurkuma, OPC, Astaxanthin, Gingko Biloba und B Vitamine haben alle anti-entzündliche Effekte, die bewusst und gezielt zur Prävention (aber auch Therapie) von Demenz eingesetzt werden können. Diverse Studien zeigen, dass dieses Extrakt aus den Blättern die Ginko-Baumes bei Altersdemenz hilft. In einer Studie von 2006 erwies sich Gingko als gleich erfolgreich wie Aricept, das gegen beginndende Alzheimer eingesetzt wird. Das will zwar nicht viel heissen, aber immerhin.

In einer Studie von 2013 wurden Alzheimer-Patienten in einem frühen Stadium hohe Dosen Vitamin B6, B12 und Folsäure verabreicht und so die bei Alzheimer übliche Schrumpfung spezifischer Gehirn-Areale um den Faktor 7 verringert. Auch Lithium, bekannt vor allem für seinen Einsatz bei Depression und Manie, verhindert im Tierversuch die Ablagerung von Amyloid-Plaque und unterstützt die Bildung der Myelin-Schicht in den Nervenzellen. Interessant dabei: Patienten, die Lithium bei bipolaren Störungen erhielten, haben ein zehnfach geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Kleiner Tipp: Zurzacher enthält 1,1 Milliliter Lithium pro Liter, eine kleine Menge, auf die Dauer aber sicher gut für das Gehirn.

  1. Intermittierendes Fasten

Längere Essenspausen (ab etwa 14 Stunden) zeigen verschiedenste positive Effekte auf zellulärer Ebene, die nicht mit Kalorienreduktion verbunden sind. Erhalten Mäuse nur jeden zweiten Tag Nahrung, diese jedoch ohne Beschränkung, bleiben die Glucose- und Insulinspiegel im Blut niedriger, die Stress-Resistenz der Neurone wird verbessert

Eine Studie mit Ratten zeigte, dass intermittierendes Fasten den Beginn einer Alzheimer Erkrankung hinauszögert oder den Schweregrad signifikant reduzierte.  

Fallberichte zeigen klar, dass tägliche Fastenperioden Alzheimer Symptome bei 9 von 10 Patienten messbar verbessern konnten.

  1. Tanzen, Lernen und Beziehungen pflegen

Tanzen – oder Tanzen lernen – ist eine ausserordentlich nachhaltige Methode, Alzheimer zu bekämpfen. Auch Hirntraining, beispielsweise Programme wie „Lumosity“ oder das Erlernen einer neuen Sprache, erweisen sich als wirksame Waffen gegen Demenzerkrankungen. Soziale Beziehungen pflegen wirkt weitaus besser, als jedes Alzheimer Medikament.

Bleiben Sie also aktiv und involviert, suchen Sie Freunde und Aufgaben und schwingen Sie gelegentlich das Tanzbein...

Quellen

Incidence of Dementia over Three Decades in the Framingham Heart Study

Claudia L. Satizabal, Ph.D., Alexa S. Beiser, Ph.D., Vincent Chouraki, M.D., Ph.D., Geneviève Chêne, M.D., Ph.D., Carole Dufouil, Ph.D., and Sudha Seshadri, M.D.

N Engl J Med 2016; 374:523-532February 11, 2016DOI: 10.1056/NEJMoa1504327

Dementia prevention, intervention, and care, Lancet, July 2017 http://www.thelancet.com/commissions/dementia2017

Wie verändert sich das Gehirn bei Demenz https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/wie-veraendert-sich-das-gehirn-bei-demenz?gclid=CjwKCAjw4KvPBRBeEiwAIqCB-RPG-5ewf2G2DHfCwRvGgvvl2Jw7l1WANn9-Z2Ex12wGGn59DoxURBoCS9EQAvD_BwE

Neuroprotective and disease-modifying effects of the ketogenic diet https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2367001/

 

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Intermittent fasting dissociates beneficial effects of dietary restriction on glucose metabolism and neuronal resistance to injury from calorie intake

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Caloric restriction and intermittent fasting: Two potential diets for successful brain aging

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Published in final edited form as:

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Published online 2006 Aug 8. doi:  10.1016/j.arr.2006.04.002

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Reversal of cognitive decline: A novel therapeutic program

Dale E. Bredesen 1, 2

  • 1 Mary S. Easton Center for Alzheimer's Disease Research, Department of Neurology, University of California, Los Angeles, CA 90095;
  • 2 Buck Institute for Research on Aging, Novato, CA 94945

received: September 15, 2014 ; accepted: September 26, 2014 ; published: September 27, 2014

https://doi.org/10.18632/aging.100690

 
 
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